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MOTTO

2017

NIE

NIE

IEDER! ist das Motto des diesjährigen CSD in Köln, dem 26. NIE

IEDER! ist der gesellschaftliche

Konsens seit dem zweiten Weltkrieg. NIE

IEDER! sollen sich die schrecklichen Ereignisse der damaligen

Zeit wiederholen. Schwule und Lesben wurden stigmatisiert und verfolgt. In einer Welt, die spürbar politisch

nach rechts gewandert ist, müssen wir daran erinnern und fordern: NIE

IEDER!

In unserem Motto haben wir den schwarzen und den rosa Winkel selbstverständlich aufgenommen. Mit

diesen Winkeln wurden Lesben und Schwule im Dritten Reich gekennzeichnet, um sie so vor allen zu dis-

kreditieren und auszugrenzen.

Der

SCHWARZE WINKEL

ist dabei das Symbol für Lesben gewesen. Er

ist zurückzuführen auf die stigmatisierende Kennzeichnung von Ge-

fangenen in den Konzentrationslagern. Lesben bekamen in den La-

gern meist den schwarzen Winkel angeheftet, um sie so als Asoziale zu

brandmarken. Lesben galten als Asoziale, weil sie für die NS-Führung

kein sinnvoller Bestandteil der Volksgemeinschaft waren, sondern als

ressourcenverbrauchende „Schädlinge“ und „unnütze Esser“ gesehen

wurden, für die die „gutwillige“ und „fleißige“ Mehrheit der Volksge-

meinschaft zu ihrem Nachteil aufkommen musste. Die Unterdrückung

und Diskriminierung der Lesben begann aber schon wesentlich früher:

Indem Juristen 1871 entschieden, den § 175 RStGB nicht auf ‚widerna-

türliche Akte’ zwischen Frauen zu übertragen, erklärten sie Sexualität

ohne das männliche Glied als irrelevant. Frauen wurden 1933 aus der

Politik eliminiert, sie durften nicht in höheren Positionen agieren, wo

sie über Männer hätten bestimmen oder urteilen dürfen, was gera-

de viele ledige Frauen traf. Eine „Vermännlichung" der Frau galt als

störend, die Frau sollte im Mann Schutzbedürfnisse auslösen, bereit

sein, arischen Nachwuchs zu gebären. Das betraf viele Lesben in ihrer

Daseinsform oder in ihrer Identitätskonstruktion. Überwachungsins-

tanzen im privaten (Familie) und öffentlichen Sektor (ArbeitgeberIn-

nen, Blockwarte) wirkten bedrohlich. Eine systematische Verfolgung

als Lesben gab es allerdings nicht, über die Koppelung mit einem

anderen Verfolgungsgrund wie unerwünschter ethnischer Herkunft,

jüdisch, kommunistisch oder ‚Asozialität’ konnte der Weg einer frau-

enliebenden Frau ins KZ führen. Heute gilt es wieder, das politische

Klima aufmerksam zu beobachten. Der Nationalsozialismus wird sich

nicht wiederholen, ‚moderne’ Formen des Faschismus sind oft nicht so

leicht erkennbar. Der Versuch, NS-Konzepte schleichend wieder salon-

fähig zu machen und NS-Gedanken als Meinungen unter anderen zu

verharmlosen, darf nicht weiter anwachsen.